Spirituell-Sein: Impulse

Diese Impulse sind entstanden für Menschen, die in ihrem Alltag Aufmerksamkeit üben wollen.

Durchströmt sein
Manchmal erheischt einem das Gefühl, durchlässiger zu werden für das Göttliche, das durch einen selbst strömt. Dieses Gefühl findet sich möglicherweise in Paulus`Worten:
„Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“. 1 Kor 15,10
Kennen sie diese Erfahrung? Wie hat es sich angefühlt? Wie war der Weg dorthin? Plötzliches Geschenk, bewusste Einübung etc?

„Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich ihm ganz überließen“, der Satz stammt von Ignatius von Loyola. Was hilft Ihnen, sich mehr „zu überlassen“? Wo sind Sie misstrauisch? Wo vertrauen Sie? Welche inneren Bilder und Gefühle entstehen? Nehmen Sie aufmerksam und bewusst wahr und was wünschen Sie sich für sich selber?

Das lebendige Wehen – Wahrnehmungsübung
Die Pfingstsequenz lädt mich jedes Jahr aufs Neue ein, sie zu meditieren. Die ganze Pfingstsequenz finden Sie weiter unten im Text.
Ich finde die ruach Gottes kommt in Ihrer „Schaffenskraft“ besonders zum Ausdruck. Das „lebendig Wehn im Menschen“ möchte ich mit einer Wahrnehmungsübung verbinden.
Sie können die Wahrnehmungsübung nachdem Sie den Text gelesen haben mit geschlossenen Augen machen, oder aber Sie lesen langsam Stück für Stück – so wie es gut für Sie ist und auch für Sie passt. Nicht immer sind geschlossene Augen ratsam.

Nehmen Sie sich wahr, sich selbst in Ihrer körperlichen Verfasstheit, Ihrer Größe und Breite, so wie Sie sind. Nehmen Sie bewusst Ihren Atem wahr und atmen Sie zwei Mal tief ein und aus und stellen Sie sich vor, als sei der Atem ein lebendiges Wehen, das Ihren Körper durchzieht. Ein lebendiges, zartes, warmes Wehen. Wie fühlt sich das Wehen an?
Entscheiden Sie selber, ob Sie weiter machen, oder es dabei belassen.
Dieses lebendige Wehen in Ihrem Körper nehmen Sie nun weiter wahr, wie es einzelne Regionen Ihres Körpers durchzieht. Beginnen Sie beim Scheitel, Kopf, Hals, Nacken, Schultern. Das lebendige Wehen strömt. Ihre Lebenskraft weht.
Danach gehen Sie in den Brust-Bereich, Bauch und Arme: Das lebendige Wehen durchströmt Sie. Wie nehmen Sie diese Regionen nun wahr? Nehmen Sie einen Unterschied zu vorher wahr?
Das lebendige Wehen setzt sich fort, Becken, Po, Beine und Füße entlang. Es weht und die Lebenskraft ist spürbar. Zum Abschluss nehmen Sie in Ihrem ganzen Körper das Wehen wahr. Das lebendige Wehen.
Möglicherweise endet diese kurze Wahrnehmungsübung in Dank oder Bitte. Oder aber Sie beten zum Schluss die gesamte Pfingstsequenz:

Komm herab o Heiliger Geist, der die finstre Nacht zerreißt
Komm herab, o Heil’ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit. Amen. Halleluja.

Biblischer Impuls Christi Himmelfahrt

Jesus ist aufgefahren in den Himmel – verborgen in Gott und gleichzeitig in der Welt präsent.
„Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.
Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!
Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“

Kol 3,1-3
Welches Leben schlummert verborgen in uns? Wo zeigt sich göttliche Gegenwart?

Wir sind nur Schale und das Blatt
Ein sehr bekannter Textausschnitt aus Rainer Maria Rilkes Stundenbuch stelle ich dieses Mal zur Verfügung. Immer und immer wieder kann ich ihn lesen. Jedes Mal spricht mich ein anderer Vers an, bei dem ich dann doch länger bleibe und verkoste. Ich lerne ihn auswendig und wandle damit umher. Hier der Text:
Denn wir sind nur die Schale und das Blatt.
Der große Tod, den jeder in sich hat,
das ist die Frucht, um die sich alles dreht.

Um ihretwillen heben Mädchen an
und kommen wie ein Baum aus einer Laute,
und Knaben sehnen sich um sie zum Mann;
und Frauen sind den Wachsenden Vertraute
für Ängste, die sonst niemand nehmen kann.
Um ihretwillen bleibt das Angeschaute
wie Ewiges, auch wenn es lang verrann, –
und jeder, welcher bildete und baute,
ward Welt um diese Frucht, und fror und traute
und windete ihr zu und schien sie an.
In sie ist eingegangen alle Wärme
der Herzen und der Hirne weißes Glühn -:
Doch deine Engel ziehn wie Vogelschwärme,
und sie erfanden alle Früchte grün.

Unsicherheit macht demütig und leer
Sagt die Umweltaktivistin, Religionswissenschaftlerin, Mitbegründerin der Tiefenökologie Dr. Joanna Rogers Macy in einem Interview in evolve 25/2020, p. 34 zum Thema Klimakrise. Ich zitiere den gesamten Absatz:

„Wir werden in die Erde initiiert, mitten in einem der schwierigsten Momente, denen das Leben jemals gegenüberstand. Es ist einfach aufregend, in dieser Zeit zu leben, in der sich unser wahres Potenzial erst noch zeigen will. Wir werden diesen Weg nicht gehen können, ohne die Unsicherheit unserer Situation zu respektieren. Ohne Unsicherheit können wir nicht demütig und leer genug von Überheblichkeit und Vorlieben sein, um vollkommen verfügbar zu sein.“

Diese Zeilen erinnern mich stark an die Passion Jesu: Demut üben, leer werden, um den Willen Gottes zu tun, sich verfügbar machen und sich hinzugeben… Womit verbinden Sie diese Zeilen?
Und ich komme ins Fragen: Wie gehe ich mit Unsicherheit um? Lehrt sie etwas – über diese Zeit hinaus? Worin besteht die Einladung für mich, um mich verwandeln zu lassen?

Ein Bild meditieren
Vor Jahren habe ich in einer Ausstellung das Werk Yellow von Anish Kapoor entdeckt und habe stundenlang davor verweilt. Es hat mich in der Schlichtheit und Tiefe angezogen. Immer wieder kehre ich zurück. Vielleicht ist es auch für Sie etwas und ich lade Sie ein, es zu betrachten. Dieser Link führt Sie dahin: http://anishkapoor.com/81/yellow
Mir persönlich hilft, zu Beginn still zu werden. Dann widme ich mich dem Bild. Ich leuchte es aus verschiedenen Perspektiven aus, schließe meine Augen, achte, was kommt, öffne sie erneut, um das Bild zu betrachten, so wechsle hin und her und ich nehme wahr, meine Gedanken, Gefühle, körperlichen Reaktionen. Nach einer Zeit schließe ich ab.

Innerer und äußerer Friede
Ein Impuls mit einem Auszug aus den Traktaten von Meister Eckehart:
„Ein Mann hätte gern einen Quell in seinen Garten geleitet und sprach: Dafern mir nur das Wasser zuteil würde, so achtete ich gar nicht darauf, welcher Art die Rinne wäre, durch die es mir zuflösse, ob eisern, hölzern, knöchern oder rostig, wenn mir nur das Wasser zuteil würde. So machen`s die ganz verkehrt, die sich darum sorgen, wodurch Gott seine Werke in dir wirke, ob es Natur sei oder Gnade. Laß ihn dabei allein wirken, und habe du nur Frieden.
Denn so viel bist du in Gott, so viel du in Frieden bist, und so viel außer Gott, wie du außer Frieden bist. Ist etwas nur in Gott, so hat es Frieden. So viel in Gott, so viel Frieden. Wieviel du in Gott bist, wie auch, ob dem nicht so sei, das erkenne daran: ob du Frieden oder Unfrieden hast.“
Kennen Sie diese Momente des Friedens und des Unfriedens? Wo sind Sie ganz im Frieden? Welche Bedingungen sind dann gegeben? Wann nicht?
Können Sie hin und her pendeln und die Unterschiede wahrnehmen?

Biblischer Impuls
Der Wunsch nach einem biblischen Impuls für jene, die mit der Bibel schon vertraut sind, wurde mir geschrieben. Wir befinden uns ja in Österreich mitten in den Bibeljahren und bald folgt auch der Bibelsonntag am 26. Jänner, den Papst Franziskus weltweit ausgerufen hat. Mehr Informationen finden sich hier https://www.bibelwerk.at/

Nun aber zum Impuls: Betrachten Sie einen Tag lang aufmerksam, was Ihnen begegnet: Ob in der Natur, sozialen Medien, Ausstellungen, Arbeit, Menschen. Abends schenken Sie all diesen Begegnungen noch einmal Ihre Aufmerksamkeit und achten Sie, wo Sie am meisten Resonanz spüren. Ich würde zunächst von einem positiven oder neugierigen Gefühl ausgehen, oder von dem, das anziehend auf Sie wirkt. Als nächsten Schritt lade ich ein, dies festzuhalten. Wenn es ein Bild ist, vielleicht dieses ausdrucken, wenn es eine Begegnung ist, ein paar Zeilen nieder zu schreiben etc. und anschließend suchen Sie einen passenden biblischen Vers dazu. Meditieren Sie ein paar Tage darüber und achten Sie, ob sich etwas verändert.

Impuls für Weihnachten
Weihnachten ist tatsächlich nicht mehr weit. Als letzten Impuls lade ich dazu ein, ein paar Zeilen eines Segens zu verfassen. Was bedeutet Segen? Gottes wohlwollender Zuspruch – anerkennende Zusage – Gutes zusagen.
Segenstexte richten sich oftmals direkt zu Beginn und am Ende an Gott mit der Bitte durch die Kraft des Heiligen Geistes zu segnen. Viele formulieren den Segen auch in Form von Wünschen.

Wie verfasst man nun einen Segenstext: Zunächst würde ich ein paar Minuten in die Stille gehen und mein Herz öffnen für das Gute, wovon ich glaube, dass es werden soll. Danach nehme ich mir Zeit, um all das Gute, das ich anderen Menschen, der Schöpfung, der Welt etc wünsche, einfach nieder zu schreiben. Im Anschluss filtere ich jene Wünsche/Zusagen etc. heraus , die besonders stark und kräftig sind und bringe diese in eine Reihenfolge eines kurzen Textes.
Mein Segenswunsch für Weihnachten befindet sich hier: https://spirituellsein.wordpress.com/spirituell-sein-wortversuche/
Somit wünsche ich ein gesegnetes Weihnachten!

Impuls für die dritte Adventwoche
Gaudete – Freude prägt die dritte Adventwoche mit einem Textausschnitt von Karl Rahner. Möglicherweise ist der Text nicht auf Anhieb leicht zu verstehen, vielleicht lohnt es sich trotzdem ihn zu verkosten. Lesen Sie die Zeilen aufmerksam, was spricht Sie an?
„Ein Jetzt der Ewigkeit ist in dir, das kein Nicht mehr hinter sich hat und vor sich hat, das hat schon begonnen, deine irdischen Augenblicke in sich hineinzusammeln.
Kein heller Jubel ist dir abverlangt, armes Herz, in diesem Advent, der ja ein Leben lang dauert, da dein Advent erst endet, wenn dir gesagt wird: Geh ein in die Freude deines Herrn. Kein heller Jubel, denn dafür spürst du noch zu sehr den harten Druck der Fesseln der Zeit, auch wenn sie schon von deinen Händen und Füßen abzufallen begonnen hat.“
(Rahner, Karl: Advent – Von der tiefen Sehnsucht unseres Lebens, Hg. von Batlogg/Sucha, Ostfildern 2018, 30f.)
Was bedeutet es, in die Freude des Herrn einzugehen? Wo spüren Sie diese Freude schon anfanghaft? Suchen Sie sich Momente dieser Freude? Wo fällt Schweres von Ihnen ab? Wie fühlt es sich an?

Impuls für die zweite Adventwoche
Gott wird Mensch in Jesus Christus, dieses Geheimnis feiern wir bald. Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott. Mit dem Menschsein verbinde ich, Ich sagen zu können, mich getrennt von anderen und in Distanz zur Mitwelt zu erfahren, mit dem Göttlichen verbinde ich die Verbundenheit mit anderen und der Schöpfung, mich im anderen und der Welt zu entdecken.
Was verbinden Sie mit Menschsein? Was mit Göttlichsein? Wann erfahren Sie sich wie? Welchen Unterschied in der Haltung, in Gedanken und im Gefühl nehmen Sie wahr?

Impuls für die erste Adventwoche
Spiritualität hat mit Aufbruch zu tun. Advent auch. Gott ist immer wieder aufgebrochen – hin zu seiner Schöpfung und hat Menschen immer wieder zum Aufbruch ermutigt.
Aufbrechen zur Menschwerdung. Aufbrechen, um Göttliches zu entdecken. Aufbrechen, um Neues zu erfahren. Manches bricht auch in einem selber auf. Aufbruch, um ins Staunen zu kommen.
Meine Anregung für die erste Woche im Advent soll die Offenheit für das, was aufbrechen will, schärfen: Wo nimmt man im Umfeld, in der Natur, in Ausstellungen, in Begegnungen, in Sätzen, Gedanken etc Aufbruch wahr?
Wenn Sie im Inneren spüren, ja, dass ist Aufbruch, dann fotografieren Sie das Motiv, nehmen Sie das Symbol mit, schreiben Sie sich den Satz, den Vers, die Begegnung etc auf und lassen Sie sich davon eine Woche lang begleiten, und geben Sie dem täglich ein paar Minuten Raum.

Dich begreifen
Aus Rilkes Stundenbuch stammt der folgende Impuls.

Alle, welche dich suchen, versuchen dich.
Und die, so dich finden, binden dich
an Bild und Gebärde.

Ich aber will dich begreifen
wie dich die Erde begreift;
mit meinem Reifen
reift
dein Reich.

Ich will von dir keine Eitelkeit,
die dich beweist.
Ich weiß, dass die Zeit
anders heißt
als du.

Tu mir kein Wunder zulieb.
Gieb deinen Gesetzen recht,
die von Geschlecht zu Geschlecht
sichtbarer sind.
Rainer Maria Rilke


Lesen Sie die Zeilen mehrmals durch und achten, welcher Satz, welches Wort Sie anspricht. Verkosten Sie diesen Satz ein paar Minuten. Spüren Sie nach, warum gerade diese Sie so anspricht.

Der Weg der Liebe
Wiederum steht eine Bibelstelle im Mittelpunkt mit einer anschließenden Übungsmöglichkeit. Was ist wichtig im Leben und darüberhinaus? So erging die Frage an Jesus. So einfach und doch nicht, ist seine Antwort:
Lukas 10,27:  Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele,
mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken,
und deinen Nächsten wie dich selbst.
Folgende Übung schlage ich zur Vertiefung vor:
Achten Sie, dass Sie für zehn Minuten ungestört sind. Lesen Sie die Stelle mehrfach durch, so dass Sie sie verinnerlicht haben. Bewusst öffnen Sie Ihr Herz für die Liebe. Manchen tut es gut, die Augen zu schließen und die Hände auf den Herzraum zu legen. Verbinden Sie sich mit dem Größeren/der Ewigen/der Gottheit/Gott und gehen in den Modus der Empfänglichkeit. Nehmen Sie Liebe wahr und geben Sie Liebe zurück. Bleiben Sie ein paar Minuten dabei. Gehen Sie nun in Gedanken zu Menschen, die Ihnen nahe sind. Öffnen Sie sich für die Liebe, die Sie für diese Menschen empfinden. Geben Sie und nehmen Sie. Bleiben Sie ein paar Minuten dabei. Solange, wie Sie es für wichtig halten. Möglicherweise tauchen in Ihrem Inneren auch Menschen auf, mit denen Sie sich schwer tun. Bleiben Sie in der Liebe und schenken Sie Ihnen Ihre Liebe. Verabschieden Sie sich von diesen Menschen und gehen in Kontakt mit sich selbst. Stellen Sie sich selbst vor. Betrachten Sie sich in Liebe und öffnen Sie sich für die Liebe für sich selbst. Bleiben Sie einige Zeit dabei. Wenn es Zeit ist, öffnen Sie die Augen, machen eine Geste der Verabschiedung und lesen Sie zum Schluss die Bibelstelle noch einmal durch.

Bibeljahre. Bibel hören, lesen, leben.
Nachdem die Katholische Kirche in Österreich sich mitten in den Bibeljahren befindet, lädt dieser Impuls zu Betrachtung einer Bibelstelle ein.
Ich schlage das Gleichnis vom Schatz und der Perle vor.
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie. Matthäus, 13, 44-46.
Es ist gut, sich vorher Zeit zu reservieren, um möglichst ungestört die Bibelstelle zu betrachten. Bevor man sich der Stelle widmet und sie liest, versuchen Sie zur Ruhe zu kommen, vielleicht hilft das Sitzen, ein Liedstück, eine Geste, ein Klangzeichen. Versuchen Sie so gut es geht, Ihr Herz für die kommenden Worte zu öffnen. Bitten Sie vielleicht auch um Offenheit. Lesen Sie die Stelle langsam, Wort für Wort. Manchen hilft es, die Stelle laut zu lesen, dann wird sie gut hörbar. Im nächsten Schritt widmen Sie sich erneut der Stelle mit all Ihrer Vorstellungskraft. Sie sehen alles, was Sie lesen. Identifizieren Sie sich in einem weiteren Schritt nun mit jemand oder etwas. Hier im Gleichnis z.B. einer Person z.B. dem Mann oder auch mit dem Himmelreich, Schatz, Acker, der Perle etc. Verkosten Sie nun, was Sie spüren. Wenn Sie „satt“ sind, lesen Sie die gesamte Stelle noch einmal und legen Sie Gott hin, was Sie erfahren haben und beenden die Zeit Ihrer Betrachtung. Für manche Menschen ist es gut, das Erfahrene nieder zu schreiben, wieder andere legen es im frei formulierten Gebet vor Gott oder malen, was aus dem Inneren kommt.
Mehr Informationen zu den Bibeljahren: http://www.jahrederbibel.at


Dankbarkeit üben
Eine ganz einfache, aber wirkungsvolle Übung ist jene der Dankbarkeit. Bruder David Steindl-Rast wird nicht müde, um immer wieder auf das Geschenk des Augenblicks aufmerksam zu machen. Nach ihm bedeutet dankbares Leben, sich bewusst zu machen, dass der Augenblick, das Jetzt, ein Geschenk ist, eine Gelegenheit, die das Leben bietet.
Dankbarkeit kann man auch im Alltag üben, wenn man offenen Herzens sich die täglichen Geschenke bewusst macht. Es gibt auch Dankbarkeitsrunden, wo Teilnehmer_innen über das, wofür sie dankbar sind, sprechen. Ich selbst war auch dabei und kann diesen Austausch empfehlen.
Für den Beginn reicht oft ein überschaubares Ziel, zum Beispiel eine Woche lang bewusst darauf zu achten, wofür man dankbar ist. Sinnvoll kann es sein, sich selbst zu beobachten, ob diese Übung einen Unterschied in der Wahrnehmung, im Blick, im Gefühl, in den Gedanken bewirkt.

Mehr über das ganze Netzwerk von Br. David findet sich hier: http://www.dankbar-leben.org/
Folgendes Buch ist für die spirituelle Praxis der Dankbarkeit zu empfehlen, „Dankbarkeit, das Herz allen Betens“: https://www.herder.de/religion-spiritualitaet-shop/dankbarkeit-das-herz-allen-betens-kartonierte-ausgabe/c-38/p-14090/

Lobgesang des Alls
Ich habe beim Sortieren meiner Bücher ein kleines Büchlein wieder entdeckt, das mir schon einmal wertvolle Impulse gegeben hat. Einen Textausschnitt aus dem kleinen Buch „Lobgesang des Alls“ von Teilhard de Chardin stelle ich vor, und lade ein, diesen trotz seiner Länge zu betrachten. Ich habe entdeckt, dass es gut ist längere Zeit einen Ausschnitt immer und immer wieder zu lesen, damit er sich in der Tiefe erschließen kann.

„Nehmen wir an, so dachte ich, Christus ließe sich herab, hier, vor mir, leiblich zu erscheinen, wie würde Er dann aussehen? Welches Gewand würde Er tragen? Und vor allem, auf welche Weise würde Er Sich sinnlich fassbar in die Materie einfügen, und auf welche Weise würde Er sich gegen die Ihn umgebenden Gegenstände absetzen?
Doch mein Blick war wie von selbst bei einem Blick stehengeblieben, das Christus darstellte mit Seinem den Menschen angebotenen Herzen. […] [A]ls ich meinen Blick über die Konturen des Bildes laufen ließ, plötzlich bemerkte ich, dass sie zerschmolzen: sie zerschmolzen, aber in einer besonderen Art und Weise, die schwierig auszusagen ist. Wenn ich versuchte, den Umriss der Person Christi zu sehen, erschien Er mir deutlich umgrenzt. Und dann, wenn ich mein Bemühen zu sehen sich entspannen ließ, ging der Lichtschein Christi, die Falte Seines Gewandes, das Strahlen Seiner Haare, die Blume Seines Fleisches sozusagen. [..] Die vibrierende Atmosphäre, die Christus wie ein Lichtschein umgab, nicht auf eine kleine Schicht um Ihn herum begrenzt war, sondern bis ins Unendliche ausstrahlte.
Von Zeit zu Zeit zog etwas wie phosphoreszierende Streifen dahin, die ein fortwährendes Aussprühen bis in die äußersten Sphären der Materie verrieten – sie zeichneten eine Art von Adergeflecht oder Nervennetz, das sich durch alles Leben zog. Das ganze Universum vibrierte! Diese ganze Bewegung schien von Christus auszugehen, vor allem von Seinem Herzen.“
Aus: Teilhard de Chardin, Lobgesang des Alls, Walter-Verlag, Fr.i.Brsg. 1961, 46-50.


Den Zauber des Guten entdecken: Das Reich Gottes ist mitten unter uns
Im Neuen Testament verkündet Jesus das Reich Gottes, das schon mitten unter uns ist. Reich Gottes als Perspektive für das Gute, das da und dort in der Welt anbricht, das es zu entdecken gilt. Der Alltag bietet viele Gelegenheiten, um das Bewusstsein für das Reich Gottes zu schulen.
Zum Beispiel kann man sich folgende Frage stellen: Wo gibt es Initiativen, die den Blick für ein gutes Leben für alle haben? Wer riskiert sich selbst und setzt sich für Gerechtigkeit, Verbundenheit, Freiheit ein?
All meine Entdeckungen habe ich beispielsweise über eine gewisse Zeit täglich notiert. In Dankbarkeit konnte ich zustimmen, ja, das Reich Gottes ist mitten unter uns.
Vielleicht lassen auch Sie sich auf das Reich Gottes ein und teilen Ihre Erfahrungen.

Wach werden und Neues entdecken! 
Spiritualität hat für mich etwas mit Alltag zu tun mit Wach-Sein und Wach-Werden. Jesus ist darin Meister. Im Alltag bin ich dazu geneigt, die immer selben Wege zu nehmen, um einzukaufen, zur Arbeit zu kommen, Freund_innen zu besuchen etc. Sehr oft geschieht dies in Gedankenlosigkeit. Eine sehr einfache Möglichkeit, Neues zu entdecken, liegt in der Aufmerksamkeit für das Bewährte:
Wer und was begegnet mir? Mit welchen Stimmungen werde ich konfrontiert? Was schreckt mich ab? Was gefällt mir? Was nehme ich wahr?

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